Von der Weiterbildung würde hierzulande viel erwartet, stellt Ansgar Klinger, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Leiter des Organisationsbereiches Berufliche Bildung und Weiterbildung, in seinem Gastbeitrag für die Dezember-Ausgabe des Info-Briefes des Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V. fest. Sie solle gesellschaftliche Prozesse der Individualisierung, der Pluralisierung, des Strukturwandels und natürlich auch der Digitalisierung unterstützen. Sie solle ebenso dabei helfen, die Herausforderungen in Zusammenhang mit einer älter werdenden Gesellschaft zu lösen und dabei die Zivilgesellschaft kontinuierlich mit entwickeln.

Damit die Weiterbildung die an sie gestellten gesellschaftlichen Erwartungen zuverlässig erfüllen könne, müssten die erforderlichen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Regelungen der Finanzierung von Weiterbildung, zu Information und Beratung oder auch Lernzeiten, in einem Bundesgesetz für die Weiterbildung verbindlich geregelt sein.

Weiterbildung weitgehend den Prinzipien der Marktsteuerung überlassen

In der Bildungsplanung der 1970er-Jahre habe man die Weiterbildung noch zu einer „Vierten Säule“ des bundesdeutschen Bildungswesens ausbauen wollen. In den Folgejahren und bis heute sei die Weiterbildung allerdings wie kein anderer Zweig des Bildungswesens den Steuerprinzipien von Markt und Wettbewerb unterworfen worden – mit verheerenden Konsequenzen, wie ruinösen Wettbewerbs- und prekären Beschäftigungsbedingungen. Parallel dazu habe die öffentliche Hand kontinuierlich ihren Beitrag zur Förderung der Weiterbildung herunter gefahren, „teilweise bis zur Unkenntlichkeit“.

Bundesgesetz für die Weiterbildung muss Rahmenbedingungen sicherstellen

Festgehalten werden müsse, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten die Rahmenbedingungen für die Weiterbildung zunehmend verschlechtert hätten – und dies bei gleichzeitig enorm gestiegenen Erwartungen an die Weiterbildung.

Ansgar Klinger stellt weiter fest, die Finanzierung der betrieblichen Weiterbildung bedürfe einer neuen Grundlage und die Finanzierung der individuellen Weiterbildung einer dringenden Erweiterung.

Darüber hinaus müsse die Weiterbildungsberatung im Sinne eines flächendeckenden Netzes dringend ausgebaut werden sowie nationale und regionale Regelungsinstanzen, welche eine Kooperation und Koordination der vielfältigen Akteure ermöglichten, aufgebaut werden.

Herausforderung Digitalisierung

Ganz besonders die Digitalisierung entwickle sich zu einer neuen und zusätzlichen  Herausforderung für die Weiterbildung, da sie großen Einfluss auf die Entwicklungschancen der Menschen und ihrer Arbeits- und Alltagswelt habe.

„Das lebenslange Lernen gewinnt in einer digitalen Welt noch einmal mehr an Bedeutung!“

Es gehe für alle darum, die notwendigen Kompetenzen zu erwerben, um die Digitalisierung beherrschen zu können. Es gehe dabei um einen ständigen Prozess der Veränderung und auch um die individuelle Fähigkeit, durch achtsame Nutzung der technischen Möglichkeiten, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologien, diese sinnvoll einzusetzen.

Daher vertritt Ansgar Klinger die Ansicht, dies spreche verstärkend für die Notwendigkeit eines klaren, rechtlichen und bundesweit unterstützenden Rahmen.

Die Dezember-Ausgabe des BBB Info-Briefes lesen Sie hier.


Erstellt von Andreas Nierhaus