Wer sich für eine kaufmännische Weiterbildung interessiert, der wird unweigerlich auf die höchste nicht-akademische kaufmännische Qualifikation stoßen: Die Weiterbildung zum Betriebswirt. Dabei ist der Betriebswirt nicht ein im Berufsbildungsgesetz anerkannter Berufsabschluss, sondern vielmehr eine Bezeichnung für eine Leitungstätigkeit in einem Betrieb oder in einem Unternehmen. So werden mit dem Betriebswirt grundsätzlich Führungsaufgaben verbunden, die für die betriebliche Führung von hoher Bedeutung sind.

Mit der betrieblichen Führungsverantwortung sind fachliche und persönliche Kompetenzen verbunden, die im Rahmen einer kaufmännischen Weiterbildung erlernt werden können. Auf dem Bildungsmarkt gibt es eine Vielzahl an Weiterbildungsanbietern, welche die grundsätzliche Qualifikation zum Betriebswirt vermitteln. Es handelt sich häufig um betriebsinterne Weiterbildungen, wie zum Beispiel der sogenannte Sparkassen-Betriebswirt. Auch gibt es institutsinterne Abschlüsse – wie den Betriebswirt (VWA) – dessen Lehrpläne vom jeweiligen Institut entwickelt wurden. Hier stellt sich die Problematik nach der Anerkennung der internen Abschlüsse im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Abschlüssen. Schließlich sind im Berufsbildungsgesetz lediglich zwei Weiterbildungen zum Betriebswirt staatlich anerkannt: der staatlich geprüfte Betriebswirt und der geprüfte Betriebswirt (IHK).

Staatlich geprüfter Betriebswirt vs. geprüfter Betriebswirt (IHK)

Worin unterscheiden sich die beiden letztgenannten Abschlüsse? In beiden Fällen handelt es sich um eine Aufstiegsfortbildung, die einen Ausbildungsabschluss voraussetzen. Um zur kaufmännischen Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt zugelassen zu werden, muss eine Erstausbildung aus dem Bereich Wirtschaft und Verwaltung vorliegen. Es ist also möglich, mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Bürokaufmann zur Aufstiegsfortbildung an einer Fachschule für Wirtschaft zugelassen zu werden. Der Lehrplan an Fachschulen, sei sie staatlich oder eine Ersatzschule wie die DAA Wirtschaftsakademie, wird durch die jeweiligen Ministerien für Schule und Weiterbildung geregelt und herausgegeben, es kann also durchaus sein, dass sich der Lehrplan in einem Bundesland von einem Lehrplan eines anderen Bundeslandes unterscheidet. Der Abschluss staatlich geprüfter Betriebswirt wird bundesweit gleichermaßen anerkannt, unabhängig von der Fachschule, die den Abschluss erteilt (ähnlich zum Abitur an Gymnasien). Die Fachschule für Wirtschaft erteilt Unterricht in fachbezogenen Fächern wie Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen oder Absatzwirtschaft, aber auch nicht fachbezoge Fächer wie Deutsch/Kommunikation, Englisch und Mathematik. So ist es an Fachschulen auch möglich, die Fachhochschulreife zu erlangen, wobei die Regelung zur Erlangung der Fachhochschulreife länderabhängig unterschiedlich ist.

Der geprüfte Betriebswirt (IHK) wird durch die jeweilige Industrie- und Handelskammer erteilt. Die Zulassung ist möglich, wenn eine IHK-Ausbildung zum Fachwirt oder zum Fachkaufmann vorliegt. Der geprüfte Betriebswirt (IHK) unterliegt nicht der Schulordnung eines Bundeslandes, er wird durch einen bundeseinheitlichen Rahmenlehrplan festgelegt.

Beiden Abschlüssen ist gemeinsam, dass es sich um praxisnahe Weiterbildungen handelt. Während der geprüfte Betriebswirt (IHK) mit einer Prüfung an der IHK erlangt wird, ist für die Erteilung des Abschluss Staatlich geprüfter Betriebswirt die jeweilige Fachschule zuständig. In der Wirtschaft sind beide Abschlüsse gleichermaßen anerkannt. Interessenten für eine Weiterbildung zum Betriebswirt sollten sich nur entscheiden, welcher Weg hin zur höchsten nicht-akademischen kaufmännischen Qualifikation für sie geeignet ist.


Erstellt von Paul Altenau