Alle zwei Jahre bietet der gemeinsam von Bund und Ländern geförderte Nationale Bildungsbericht eine umfassende empirische Bestandsaufnahme für das Bildungswesen in Deutschland. Dem Konzept der Bildung im Lebenslauf folgend, erfasst der Bericht alle Bereiche – von der frühkindlichen Bildung, über die schulische, hochschulische und berufliche Bildung bis hin zu den verschiedenen Formen der Weiterbildung im Erwachsenenalter und schließt dabei nach Möglichkeit auch die non-formale Bildung sowie das informelle Lernen mit ein.

Der Bericht ist von einer Autorengruppe erstellt worden, deren Mitglieder dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), dem Deutschen Jugendinstitut (DJI), dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), dem Soziologischen Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder (Destatis und StLÄ) angehören.

Der Nationale Bildungsbericht bietet seit 2016 nun zum siebten Mal eine systematische Bestandsaufnahme des gesamten deutschen Bildungssystems auf der Basis von Daten der amtlichen Statistik und aus sozialwissenschaftlichen Erhebungen.

Nationale Weiterbildungsstrategie

In ihrer Stellungnahme erklärt die Bundesregierung, die Weiterbildungsteilnahme verbleibe seit 2014 bis 2016 auf einem gleichbleibenden Niveau in Höhe von rund 50 Prozent. Damit scheint auf den ersten Blick eines der Ziele des Dresdener Bildungsgipfels aus dem Jahr 2008 erreicht, nämlich die Weiterbildungsbeteiligung auf 50 Prozent der Erwerbsbevölkerung zu steigern. Allerdings sei auch festzustellen, dass sich die Teilnahmequote an betrieblicher Weiterbildung seit dem Jahr 2012 kaum verändert habe und weiterhin 36 Prozent betrage. Die Beteiligung an individuell berufsbezogener Weiterbildung sei von neun auf sieben Prozent sogar zurückgegangen und die Beteiligung an nicht berufsbezogener Weiterbildung stagniere bei 13 Prozent.

Auch wenn im Jahr 2016 etwa jede zweite Person im Alter zwischen 18 und unter 65 Jahren an einem Weiterbildungsangebot teilgenommen hat – was zu einem überwiegenden Teil auf die betriebliche Weiterbildung zurückzuführen ist – hängt der Zugang zur Weiterbildung in Deutschland vorrangig davon ab, ob eine Person erwerbstätig ist oder nicht. Die Weiterbildungsteilnahme von geringqualifizierten Personen ohne Ausbildungsabschluss und von arbeitslosen Menschen ist im Berichtszeitraum um jeweils fünf Prozentpunkte gesunken.

Aus Sicht der Bundesregierung sei es in den kommenden Jahren vorrangig notwendig, die grundsätzlich positive Entwicklung der Weiterbildungsbeteiligung zu unterstützen und die Rahmenbedingungen dafür inner- und außerhalb der Betriebe weiter zu verbessern. Hierzu gehöre auch eine Stärkung und Verbesserung der Weiterbildungsberatung sowie eine stärkere Anerkennung individueller Weiterbildungsbemühungen.

Um das Thema Weiterbildung umfassend in den Blick zu nehmen, wird die Bundesregierung zusammen mit den Sozialpartnern und unter enger Einbeziehung der Länder eine Nationale Weiterbildungsstrategie entwickeln und umsetzen.

Stellungnahme der Bundesregierung

Im Zuge dieser Nationalen Weiterbildungsstrategie sollen arbeitsmarkt- und bildungspolitische Instrumente effizienter miteinander verzahnt sowie die Weiterbildungsangebote von Bund und Ländern gebündelt werden, um eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren. Dabei werde darauf abgezielt, breiten Bevölkerungsteilen einen beruflichen Aufstieg zu erleichtern, die Fachkräftebasis zu stärken und die Beschäftigungsfähigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt nachhaltig zu fördern.

Erste Schritte hierzu hat die Bundesregierung bereits eingeleitet. Im September des vergangenen Jahres konstituierte sich im Deutschen Bundestag die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“, der 19 Abgeordnete aller Fraktionen und 19 externe Sachverständige als gleichberechtigte Mitglieder angehören. Die Bereiche, welche die Kommission untersuchen wird, umfassen Analysen der gegenwärtigen Situation der Aus- und Weiterbildung sowie die Beschreibung von Potenzialen und Szenarien – auch bezogen auf die europäische und internationale Ebene.

Ebenso noch vor dem Jahreswechsel haben das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit den Sozialpartnern, den Ländern, den Kammern und der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Berlin den Auftakt für die Beratungen und die Erarbeitung der Nationalen Weiterbildungsstrategie gegeben, deren erster Entwurf bis Mitte 2019 vorgelegt werden soll.

Deutschland muss noch stärker als bisher zu einem Qualifizierungsland werden, zu einem Land des Lernens. Diesen Anspruch verfolgen wir mit der Nationalen Weiterbildungsstrategie.

Bundesminister Hubertus Heil in Berlin

Schließlich ist zum 1. Januar 2019 das Qualifizierungschancengesetz in Kraft getreten, durch das der Zugang zu einer Weiterbildungsförderung für beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erweitert wird, die Förderleistungen deutlich verbessert werden und die Weiterbildungsberatung der Bundesagentur für Arbeit erheblich ausgeweitet wird.

Hier geht es zum Nationalen Bildungsbericht und der Stellungnahme der Bundesregierung.


Erstellt von Andreas Nierhaus