„Der Kabinettsbeschluss zur Stärkung der Weiterbildung in Deutschland ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Bildungsverbandes (BBB), Thiemo Fojkar, zu dem in der vergangenen Woche verabschiedeten Gesetzentwurf zur Reform des Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungsstärkungsgesetz – kurz AWStG. „Die Gewinner der Reform werden Langzeitarbeitslose und gering Qualifizierte sein, also die Schwächsten unserer Gesellschaft“, so Fojkar weiter. Allerdings werde sich erst nach dem 1. August 2016, wenn das Gesetz in Kraft trete, zeigen, wie es sich dann in der Praxis bewähre. Der Bildungsverband werde sehr genau hinschauen, wie die Arbeitsagenturen und die Jobcenter die vorgesehenen Neuerungen umsetzen würden, schließlich seien in den zurückliegenden Jahren bis einschließlich 2015 die Gelder für die Qualifizierung und Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen massiv und kontinuierlich zurückgefahren worden.

Durch die Gesetzesänderungen soll der Zugang zu abschlussbezogenen Weiterbildungen für gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Langzeitarbeitslose erleichtert werden. Zusätzliche Anreize sollen für eine höhere Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen in den genannten Zielgruppen sorgen und einen erfolgreichen Abschluss befördern.

  • Es wird eine Weiterbildungsprämie für Arbeitslose eingeführt, die eine abschlussbezogene Weiterbildungsmaßnahme absolvieren. Für eine bestandene Zwischenprüfung soll es zukünftig 1.000 Euro und für erfolgreiche Abschlussprüfung weitere 1.500 Euro geben.
  • In vielen Fällen erschweren oder verhindern fehlende Grundkompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen den Zugang zu abschlussbezogener Weiterbildung. Daher soll der Erwerb notwendiger Grundkompetenzen in die Weiterbildungsförderung aufgenommen werden.
  • Die bereits bestehenden Programme WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) und die Förderung der Weiterbildung Beschäftigter in kleinen und mittleren Unternehmen soll dadurch gestärkt werden, dass in Zukunft die Möglichkeiten der Kofinanzierung von beruflicher Weiterbildung durch die Agenturen für Arbeit und die Arbeitgeber ausgebaut werden.
  • Qualifizierungen sollen auch während des Bezuges von Transferkurzarbeitergeld durchgeführt und gefördert werden.

Katja Mast, Sprecherin für Arbeit und Soziales der SPD-Bundestagsfraktion zeigte sich zufrieden mit den vom Kabinett beschlossenen Reformen, „Das Risiko der Arbeitslosigkeit und vor allem der Langzeitarbeitslosigkeit ist für Unqualifizierte maßgeblich höher als für beruflich Qualifizierte. Mit dem Weiterbildungsstärkungsgesetz werden wir Langzeitarbeitslosigkeit an der Wurzel packen und mehr Menschen soziale Teilhabe und Chancen am Arbeitsmarkt eröffnen. Und klar ist auch: ohne Weiterbildung keine Fachkräfte!“

Angesichts der großen Anzahl von Langzeitarbeitslosen, die seit 2010 bis heute fast durchgehend bei einer Million liegt, ist es auch dringend notwendig, geeignete und wirksame Instrumente in Anwendung zu bringen. Mittlerweile ist jeder Dritte Arbeitslose bereits mindestens ein Jahr arbeitslos und der Anteil von Personen, deren Chancen am Arbeitsmarkt eher ungünstig sind (z.B. aufgrund geringer Qualifikation), ist in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen. (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB-Kurzbericht 20/2015)

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Zur Pressemitteilung des Bildungsverbandes.


Erstellt von Andreas Nierhaus