Für die Bildung und Qualifizierung von Geflüchteten mit Bleibeperspektive bedürfe es eines Masterplans, der ein abgestimmtes Vorgehen umreiße und aus dem anstehende Aufgaben, einschließlich der damit verbundenen Zuständigkeiten, schlüssig abgeleitet werden könnten.

Dies fordert der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis – BWP“ mit dem Thema „Migration und Flüchtlinge“.

Präzise Daten zur Klärung der Lernvoraussetzungen durch belastbare Informationen über Bildungsstand und Qualifikationsstruktur seien unverzichtbare Voraussetzung für eine anschließend effiziente Qualifizierung der Asylsuchenden. Dazu würden möglichst bundesweit kompatible Verfahren und Instrumente zur validen Kompetenzermittlung benötigt, als Voraussetzung dafür, passgenaue Strategien für eine gelingende berufliche Integration entwickeln zu können. Esser macht deutlich, dass sowohl hierfür, als auch für den eigentlichen Bildungs- und Qualifizierungsprozess Zeit notwendig sei, um nachhaltig sein zu können.

„Bildung ist der Schlüssel zur Integration und Sprache die absolute Voraussetzung, um an Bildung teilhaben zu können.“ Daher müsse das Erlernen der deutschen Sprache und ein grundlegendes Verständnis von Kultur und Grundwerten an erster Stelle stehen. Überdies müsse geflüchteten Menschen aber auch erleichtert werden, ihre im Ausland erworbenen Schul- oder Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen, damit schnell evtl. notwendige und passende Qualifizierungsmaßnahmen angeschlossen werden könnten.

Diese notwendige Bildungs- und Qualifizierungsoffensive für geflüchtete Menschen sei eine große Herausforderung – jedoch laut Esser ohne Zweifel machbar für das deutsche Berufsbildungssystem.

Aus den gesammelten Erfahrungen zur beruflichen Inklusion ließen sich besonders drei Faktoren identifizieren, durch die Maßnahmen zur Berufsausbildung von Menschen mit Migrationshintergrund gelingen könnten:

  • Ein Berufsabschluss sei dann wahrscheinlich, wenn die Ausbildung auf einen deutschen allgemeinbildenden oder gleichwertigen Abschluss aufbauen könne.
  • Die Möglichkeit einer individuellen Ausrichtung und eine stabile Beziehung zwischen Lernenden und den in der Ausbildung und Beratung tätigen Fachkräften gestalteten Qualifizierungsprozesse schneller und effektiver.
  • Betriebe und betriebsnahe Einrichtungen seien im Hinblick auf die Motivation der Lernenden, als auch der didaktisch-methodischen Gestaltungsmöglichkeiten der Qualifizierungsprozesse die optimalen Lernumgebungen.

Weiterhin sollten die guten Beispiele aus dem Bildungsketten- und Berufsorientierungsprogramm der Bundesregierung sowie Erfahrungen aus der Anwendung bewährter Instrumente der Berufseinstiegsbegleitung, Einstiegsqualifizierung, Assistierten Ausbildung und dem Externen Ausbildungsmanagement genutzt werden. Daneben sei aber natürlich auch weiterhin ehrenamtliches Engagement, wie z. B. durch den Senior-Experten-Service, sehr gefragt.

Zum Artikel von Prof. Dr. Esser.


Erstellt von Andreas Nierhaus