Im Zusammenhang mit dem Thema E-Learning sind verwirrend viele Abkürzungen im Umlauf: LMS, VCR, WBT und SCORM sind nur der Gipfel des Eisberges. LMS steht für Learning Management System und VCL für Virtual Classroom oder virtuelles Klassenzimmer. Aber was benötige ich nun für mein E-Learning-Projekt: ein LMS oder virtuelles Klassenzimmer?

Zunächst einmal benötigen Sie gute Lerninhalte und eine gute und professionelle Begleitung der Lerner. Diese beiden Faktoren sind die unabdingbare Voraussetzung für ein erfolgreiches E-Learning-Projekt. Die Technik ist eher zweitrangig. Sie dient der Arbeitserleichterung und auch dem Komfort der Lernenden, was nicht bedeutet, dass es egal ist, für welche technischen Werkzeuge Sie sich entscheiden.

Welche technischen Werkzeuge Sie benötigen und welcher Anbieter geeignet ist, hängt in erster Linie von Ihren Bedürfnissen ab. So können kleinere Projekte auch ohne zusätzliche technische Hilfsmittel realisiert werden – etwa indem ein Lernprogramm einfach über einen ohnehin vorhandenen Fileserver im Intranet bereitgestellt werden. Sollen die Lernenden hingegen während des Lernens intensiv betreut werden, ist die Anschaffung eines LMS oder eines virtuellen Klassenzimmers empfehlenswert.

Die Einsatzbereiche dieser beiden Werkzeuge unterscheiden sich grundlegend. Vereinfacht ausgedrückt dient ein Learning Management System zur Bereitstellung und Verwaltung von Lerninhalten zum asynchronen Lernen, während in einem virtuellen Klassenzimmer synchron gelernt wird. Beide Systeme verfügen über eine Userverwaltung, mit deren Hilfe Zugangsberechtigungen organisiert werden. Die meisten übrigen Funktionen unterscheiden sich hingegen grundlegend.

Ein Learning Management System ermöglicht die Bereitstellung von Lernmaterial (Web Based Trainings, Tests, Dokumente, Wikis etc.). Das Lernmaterial wird von den Lernenden selbsttätig durchgearbeitet. Die in den meisten LMS enthaltenen Werkzeuge wie Chat-Funktion, Diskussionsforen, schwarze Bretter, FAQs, Mailfunktion etc. dienen der Kommunikation der Lerner untereinander sowie der Kommunikation mit den Dozenten. Ein typisches Beispiel für ein LMS ist das b+r Learningcenter.

Dagegen ist das Herzstück eines virtuellen Klassenzimmers ein Online-Conferencing- System zur Live-Kommunikation zwischen den Lernenden und dem Dozenten. Es verfügt in der Regel über Werkzeuge für Audio- und Video-Konferenzen, Text-Chat, Application-Sharing und Whiteboard. Der herkömmliche Klassenraum wird sozusagen mit technischen Hilfsmitteln simuliert und die Teilnehmer lernen synchron. Zwar können die Sitzungen in der Regel aufgezeichnet und für einen späteren Zugriff bereitgestellt werden, aber das ist nur ein praktischer Zusatznutzen. Ein Beispiel für ein virtuelles Klassenzimmer ist die Anwendung Adobe Connect.

Die Entscheidung für ein LMS oder ein virtuelles Klassenzimmer ist also eine grundsätzliche Entscheidung für asynchrones oder synchrones Lernen. Selbstverständlich können auch beide Methoden und Werkzeuge kombiniert werden, z. B. indem ein LMS zur selbständigen Vorbereitung der Lernenden und ein virtuelles Klassenzimmer für regelmäßige Live-Sessions benutzt wird.


Erstellt von Paul Altenau