Hauptredner der Veranstaltung am 26. Januar im Berliner Umspannwerk Ost ist das zuständige Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, gewesen. Aus der Sicht der Arbeitsverwaltung zeigte er sich ausgesprochen optimistisch und äußerte sich sehr zuversichtlich darüber, dass die Herausforderung, eine so gewaltige Anzahl von Flüchtlingen hier im Lande integrieren zu können, erfolgreich bewältigt werden würde.

Der Arbeitsmarkt sei in einer guten Verfassung und könne die Flüchtlingszuwanderung gut verkraften. Er rechnete vor, dass bei etwa einer Million zugewanderter schutzbedürftiger Menschen im vergangenen Jahr und einer angenommenen Schutzquote von ca. 50 % von diesen etwa 70 % im erwerbsfähigen Alter seien. Somit hätten etwa 350.000 zusätzliche Personen den Arbeitsmarkt erreicht. Bei augenblicklich 43 Millionen Beschäftigten – und davon 31 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – sei dies durchaus verkraftbar.

Hinsichtlich der Qualifikationen der Flüchtlinge sei bislang eher wenig bekannt. Es lägen erste Erkenntnisse aus den Erhebungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vor, denen zufolge die Flüchtenden eher über Allgemeinbildung denn eine qualifizierte  Berufsausbildung verfügen würden.

Somit stehe die Kompetenzerfassung im Mittelpunkt der Bemühungen durch die BA und es seien zu diesem Zwecke bereits eigene Maßnahmen konzipiert worden. Scheele sprach sich für eine möglichst schnelle Arbeitsaufnahme von Schutzbedürftigen aus, solange diese mit Spracherwerb und Qualifikationsmaßnahmen, z.B. in Teilzeit, kombiniert würde.

Er wisse um die Sorge von Arbeitgeberinnen, Arbeitgebern und Gewerkschaften, durch Teilqualifizierungen könne die grundständige dreijährige Berufsausbildung ausgehöhlt werden. Scheele bekräftigte jedoch, das Ziel der BA sei es, „dass möglichst viele der unter 35-Jährigen eine grundständige Berufsausbildung absolvieren würden.

Für das laufende Jahr 2016 stelle die Bundesregierung der BA notwendige Mittel zur Verfügung, so werde es im Bereich des SGB III 800 zusätzliche Stellen geben und im Bereich des SGB II zusätzlich 2.800 Stellen. Darüber hinaus würden 2016 zusätzliche 250 Millionen Euro für Eingliederungsleistungen bereitgestellt.

Aus seiner Sicht sei nicht davon auszugehen, dass es zu erheblichen Konkurrenzsituationen zwischen Flüchtlingen und einheimischen Erwerbstätigen auf dem Arbeitsmarkt kommen werde. Ausnahmen hiervon könne es aber evtl. im Bereich der Un- und Angelernten geben.

Das Ziel der BA sei es, „die Flüchtlinge von heute nicht zu Langzeitarbeitslosen von morgen werden zu lassen“. Scheele betonte nochmals, die notwendigen Maßnahmen hierfür seien Spracherwerb und Qualifikation.

Die BA werde sich weiterhin um alle Problemgruppen am Arbeitsmarkt kümmern, keine werde bevorzugt oder benachteiligt.

 

Weitere Informationen zur Fachtagung im aktuellen Info-Brief des Bildungsverbandes oder hier.


Erstellt von Andreas Nierhaus