Besonders im Weiterbildungsbereich werden immer häufiger Lernprogramme eingesetzt. Dabei handelt es sich in der Regel um so genannte Web Based Trainings (WBTs), die mit Hilfe eines Learning Management Systems bereitgestellt und über einen Webbrowser gestartet werden. Am Markt werden zahlreiche sofort einsatzbare WBTs zu unterschiedlichen Themen angeboten. Häufig sollen aber firmenspezifische Inhalte geschult werden. In diesem Fall bleibt nur eines: Das Lernprogramm selbst erstellen. Natürlich kann man einen E-Learning-Dienstleister beauftragen. In diesem Beitrag wollen wir jedoch aufzeigen, was zwingend erforderlich ist, um WBTs selbst zu erstellen.

Am Anfang steht die Analyse.

  • Ist das Schulungsthema für die Umsetzung als Web Based Training geeignet?
  • Wie viele Teilnehmer werden jährlich bezogen auf dieses Thema geschult? Je höher die Userzahl, desto eher rechnet sich die Erstellung eines Lernprogramms.
  • Wer ist die Zielgruppe und welche technischen Voraussetzungen sind gegeben. Sollen beispielsweise Personen geschult werden, die keinen oder nur beschränkten Zugang zu einem PC haben, dafür aber ein Smartphone besitzen, sollte bei der Erstellung berücksichtigt werden, dass die Lerninhalte auf einem Smatphone gut darstellbar und bedienbar sind.
  • Was soll vermittelt werden? Theoretisches Wissen oder praktisches Handeln? Oder beides? Besonders wenn Handlungswissen vermittelt werden soll, sind ausreichend Übungsmöglichkeiten unerläßlich.

Das sind natürlich nur einige Aspekte, die bei der Analyse berücksichtigt werden sollten. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag „Vom Konzept zum fertigen E-Learning“.

Als nächster Schritt folgt die Erstellung eines Drehbuches. Das ist nicht zwingend erforderlich, erleichtert aber die Umsetzung der Inhalte erheblich. Da der Fachautor ohnehin die Texte für das WBT liefern muss, kann der Text auch gleich um Anweisungen hinsichtlich dessen, was der User am Bildschirm sieht und welche Aktionen er ausführen muss, ergänzt werden. Das Drehbuch enthält in einer Spalte die Beschreibung der Bildschirmdarstellung (Texte und Bilder/Grafiken), bei vertonten WBTs in einer weiteren die gesprochenen Texte (die sich in der Regel von den Texten am Bildschirm unterscheiden) sowie ebenfalls in einer eigenen Spalte die Aktionen des Users bzw. die Beschreibung von Animationen.

Die Wahl des Autorentools

Die technische Umsetzung erfolgt mit Hilfe eines Autorentools. Dabei handelt es sich um eine Software, mit der Texte und unterschiedliche Objekte wie Bilder, Grafiken, Animationen, sowie Audio- und Videosequenzen zu einem interaktiven Lernprogramm zusammengestellt werden können. Programmierkenntnisse sind für die Bedienung von Autorentools in der Regel nicht erforderlich. Allerdings gibt es zahlreiche Anwendungen am Markt, die aufgrund ihrer Funktionsfülle sehr komplex sind und einen erheblichen Einarbeitungsaufwand erfordern.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Animationen und Interaktionen ein WBT enthält, desto aufwendiger ist die Erstellung des Lernprogramms. Ein Lernprogramm, das nur aus Text und Bildern besteht, ist zwar kostengünstig produziert, wird die User aber schnell langweilen und bietet zudem kaum Mehrwert gegenüber einer gedruckten Unterlage. Neben sinnvollen Animationen und Interaktionen sollte ein WBT auf jeden Fall über Aufgaben und Übungen verfügen. Die Erstellung von Quizzen ist daher eine Standard-Funktion, die in allen Autorentools zur Verfügung steht.

Eine große Arbeitserleichterung stellt die Verwendung fertiger Vorlagen dar, die bereits (Muster-)Texte, Bilder, Animationen, Interaktionen usw. enthalten und nur noch abgeändert werden müssen. Der E-Learning-Dienstleister b+r bietet ein template-basiertes kostenloses Autorentool als Freeware an.

Einige Autorentools bieten die Möglichkeit, die Texte in eine Tabelle zu exportieren, die dann an einen Übersetzer weitergeleitet werden kann. Dieser fügt die übersetzten Texte in eine leere Spalte ein. Anschließend wird der übersetzte Text importiert und das WBT enthält nun die Texte in der anderen Sprache. Anschließend müssen ggf. noch Audiofiles mit gesprochenen Texten ausgetauscht werden.

Die fertigen WBTs werden mit Hilfe des Autorentools dann in einem Format exportiert, welches den problemlosen Import in ein Learning Management System erlaubt. Gängige Formate sind SCORM, AICC oder IMS Content Packaging. Diese sorgen auch für die Kommunikation zwischen dem Lernprogramm und der Lernplattform, indem z. B. Lernstände und Testergebnisse übergeben werden.

Die am Markt erhältlichen Autorentools unterscheiden sich in erster Linie im Funktionsumfang und im Preis. Einfach und intuitiv zu bedienende Autorenwerkzeuge verfügen in der Regel über einen geringeren Funktionsumfang. Im Gegenzug ist auch die Einarbeitungszeit deutlich geringer. Trotzdem kann man mit einfachen Tools ansprechende und spannende Lerninhalte erzeugen.

Da die Anforderungen und Geschmäcker sich stark unterscheiden, empfiehlt es sich, verschiedenen Tools auszuprobieren. Die meisten sind als Testversionen erhältlich.


Erstellt von Paul Altenau