Das kürzlich vom Bundeskabinett beschlossene „Qualifizierungschancengesetz“ schreibt einen Rechtsanspruch auf Weiterbildungs- und Qualifizierungsberatung fest und soll die Fördermöglichkeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich verbessern. Um in Deutschland eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren, sei dies allerdings keineswegs ausreichend, meinen die Gewerkschaften ver.di und GEW.

Zum Auftakt des Deutschen Weiterbildungstages, der in diesem Jahr unter dem Motto „Weiter bilden, Gesellschaft stärken“ am 26. September bundesweit stattgefunden hat, stellten die Gewerkschaften fest, dass gesellschaftliche Ausgrenzungen und zunehmender Populismus inzwischen ebenso große Herausforderungen für die Weiterbildung darstellen, wie die Digitalisierung. Auch Geringqualifizierte, also Menschen ohne berufsbildenden Abschluss, und bildungsferne Menschen müssten die notwendigen Zugangschancen erhalten und zur Weiterbildung ermutigt werden.

In dem gerade durch das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung erstellten und durch die Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten „Deutschen Weiterbildungsatlas 2018“ werden große regionale Unterschiede im Hinblick auf die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland deutlich. Ob sich jemand weiterbildet hängt aber nicht nur von dem Wohnort ab; besonders Geringqualifizierte und Ärmere nehmen auffallend selten an Weiterbildung teil.

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung und Förderung. Weiterbildung ist nach wie vor selektiv und verstärkt die soziale Ungleichheit. Die Infrastruktur der Weiterbildung ist unsystematisch und zeichnet sich durch einen Dschungel von Zuständigkeiten aus. Deshalb brauchen wir dringend bundesweit verbindliche Regelungen. (Ute Kittel, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für Bildung, Wissenschaft und Forschung)

In ihrer gemeinsamen Presseerklärung erklären beide Gewerkschaften, Weiterbildung für alle werde nicht nur zu einer entscheidenden Frage der Innovationsfähigkeit des Landes, sondern immer mehr auch zu einer Frage sozialer Gerechtigkeit.

Das Gebot der Stunde sind Weiterbildungsräte. Regionale und nationale Reglungsinstanzen können eine Kooperation der vielfältigen Akteure der Weiterbildung ermöglichen. Das kann man mit einem Bundesgesetz regeln, so wie es für die berufliche Erstausbildung im Berufsbildungsgesetz (BBIG) geschieht. (Ansgar Klinger, GEW-Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung)

Die Idee eines Bundesweiterbildungsgesetzes hatte das GEW-Vorstandsmitglied bereits am Vorabend des Deutschen Weiterbildungstages als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion bei der Auftaktveranstaltung in Berlin formuliert. Mit ihm auf dem Podium saß der Vorsitzende des Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V., Thiemo Fojkar. Bundesweite gesetzliche Regelungen für die Weiterbildung gehören seit Jahren zu den zentralen Forderungen des Bildungsverbandes, die auch in der Politischen Plattform zum diesjährigen Weiterbildungstag nachzulesen sind.


Erstellt von Andreas Nierhaus