Die Verbände EFAS (Evangelischer Fachverband für Arbeit und soziale Integration), die bag arbeit (Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit e.V.) und der VdP (Verband deutscher Privatschulverbände) haben mit dem Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e.V., kurz Bildungsverband (BBB), eine intensivere Zusammenarbeit in arbeitsmarkt-, sozial- und bildungspolitischen  Fragen vereinbart. In diesen Bereichen vertreten die vier Verbände häufig übereinstimmende oder zumindest ähnliche Interessen und haben dies auch bereits in verschiedenen Konstellationen – besonders VdP und Bildungsverband – unter Beweis gestellt.

Als ein erstes Ergebnis der engeren Zusammenarbeit legen die Verbände eine gemeinsam verfasste Stellungnahme zum Referentenentwurf der Bundesregierung für den „Entwurf eines zehnten Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch – Gesetz zur Schaffung neuer Teilhabechancen für Langzeitarbeitslose auf dem allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt“ vor. Inzwischen ist von der Bundesregierung ein entsprechender Gesetzentwurf in das parlamentarische Verfahren eingebracht worden.

OECD warnt vor Auswirkungen der Langzeitarbeitslosigkeit

Unabhängig davon hat die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in ihrem am 18. September dieses Jahres veröffentlichten Bericht „Job creation and local economic development 2018“ festgehalten, dass die Beschäftigungsrate im Jahre 2016 in Deutschland 7.7 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt und die Arbeitslosenrate 2.2 Prozentpunkte unter dem OECD-Durchschnitt gelegen habe. Gleichzeitig warnt der Bericht aber vor den möglicherweise zu erwartenden wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Anteil von Langzeitarbeitslosen an der Gesamtzahl der Nichtbeschäftigten, der mit 41,2 Prozent in Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 30,5 Prozent im Vergleichsjahr rangiert habe.

Verbände begrüßen neues Regelinstrument

Die in dem Referentenentwurf der Bundesregierung enthaltenen Änderungen des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch sehen nun ein neues Regelinstrument „Teilhabe am Arbeitsmarkt für alle“ vor, mit welchem für arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose, die bereits zwei Jahre und länger arbeitslos sind, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsplätze geschaffen werden sollen. Die Verbände BBB, bag arbeit, EFAS und VdP begrüßen dieses neue Arbeitsmarktinstrument und unterstützen dessen Öffnung für privatwirtschaftliche, kommunale und gemeinnützige Arbeitgeber – die Chancen auf eine arbeitsmarktnahe Integration würden so erhöht, schreiben sie in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.

Mit Hinblick auf die Zielgruppe und die Zugangsvoraussetzungen empfehlen die Verbände unter anderem die Dauer der Erwerbslosigkeit als entscheidendes Kriterium für den Zugang zur Förderung, eine Orientierung an einzelnen Vermittlungshemmnissen wird hingegen nicht für sinnvoll erachtet.

Aus ihren Erfahrungen mit dem ESF (Europäischer Sozial Fond) Bundesprogramm weisen die vier Verbände darauf hin, dass die in Frage kommende Zielgruppe einen durchaus heterogenen Unterstützungsbedarf aufweise und daher die Förderung sehr stark auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden ausgerichtet werden müsse.

Coaching und Weiterbildung für die Arbeitsmarktintegration unverzichtbar

Für eine gelingende Integration marktferner Menschen in den Arbeitsmarkt sei Coaching ein unverzichtbares Instrument. Dabei sei es sehr wichtig, das Coaching eng an die individuellen Bedingungen der Teilnehmenden im Programm zu binden und von den Job Centern/Agenturen vor Ort vergeben zu lassen. Die Coaches seien im jeweiligen Betrieb angestellt und könnten durch die räumliche Nähe mehr und schneller die nötige Unterstützung erbringen.

Darüber hinaus seien ein angemessener Betreuungsschlüssel und und eine ausfinanzierte Weiterbildung Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Beschäftigung. Dies sei in dem bisherigen Referentenentwurf jedoch noch nicht vorgesehen, allerdings dringend erforderlich. Daher fordern die vier Verbände eine hundertprozentige Finanzierung der Weiterbildungskosten, um diese zumindest bei gemeinnützigen Unternehmen sicherzustellen, die in der Regel nicht über die entsprechenden finanziellen Ressourcen verfügen würden.

Die berufliche Weiterbildung sollte abschlussbezogen sein bzw. eine Abschlussorientierung perspektivisch ermöglichen.

Weitere Positionen und die gesamte Stellungnahme finden sie hier.


Erstellt von Andreas Nierhaus