In einem Kurzinterview mit Bildungsklick.de warnt der ehemalige Kulturstaatsminister im ersten Kabinett von Gerhard Schröder, Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, davor, jeden zum Akademiker machen zu wollen. Der Professor für Philosophie und politische Theorie an der Universität München sieht die Hauptstärke des deutschen Bildungssystems in der beruflichen Bildung, da diese weltweit nachgeahmt werde und offenbar die Ursache dafür sei, dass Deutschland eine vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit zu verzeichnen habe.

Seit etwa 2006 habe man allerdings  hierzulande in dem Bestreben, einem internationalen Trend hinterherzurennen, die Studierendenzahlen eines jeweiligen Jahrganges von 35 auf 57 Prozent gesteigert. Das sei eine Steigerung von über 60 Prozent, mit der Folge, dass dem Bereich der beruflichen Bildung nun der Nachwuchs fehle. Hierdurch könne die Stärke des deutschen Bildungssystems erheblich beschädigt werden, denn das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BiBB) in Bonn habe errechnet, das bis zum Jahre 2030 rund drei Millionen der freiwerdenden Stellen in den nicht-akademischen Fachberufen nicht mehr besetzt werden könnten.

Diese Feststellung unterstreicht auch ein Blick in die letzte „Fachkräfteengpassanalyse“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) aus dem Dezember 2015. Die Engpassanalyse basiert auf den monatlichen Statistikdaten der BA und erscheint halbjährig.

Die Ergebnisse zeigen, einen allumfassenden, bundesweiten Fachkräftemangel gibt es derzeit noch nicht, aber: „In einzelnen Berufsgruppen und Regionen sind jedoch Mangelsituationen bzw. Engpässe erkennbar. Gegenüber früheren Analysen ist die Besetzung gemeldeter Stellen bei Fachkräften und Spezialisten – gemessen an den Engpasskriterien – etwas schwieriger geworden. Im Bereich der Experten (Akademiker, Anm. d. Verf.) hat sich die Situation ebenfalls etwas angespannt – allerdings weniger deutlich als in den anderen Anforderungsniveaus. Die seit einigen Jahren steigenden Hochschulabsolventenzahlen dürften zu einer Erhöhung der Bewerberzahl mit akademischer Vorbildung geführt haben.“

Hinsichtlich der technischen Berufe gibt es besonders bei Fachkräften in den Bereichen Mechatronik und Automatisierungstechnik (hier sind nur in Brandenburg keine Anzeichen für Engpässe zu erkennen), Energietechnik und insbesondere Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bundesweit Fachkräfteengpässe oder ist sogar bereits ein Fachkräftemangel zu erkennen. Akut ist ein flächendeckender Fachkräftemangel in der Altenpflege und teilweise auch in der Gesundheits- und Krankenpflege feststellbar.

Prof. Dr. Nida-Rümelin führt diese Entwicklung auch darauf zurück, dass über viele Jahre kolportiert worden sei, der Arbeitsmarkt der Zukunft gehöre den Akademikerinnen und Akademikern.

Dass dies nicht ausschließlich zutrifft zeigt eine aktuelle Studie des „Instituts der deutschen Wirtschaft Köln“ mit dem Titel „Karrierefaktor berufliche Fortbildung. Eine empirische Untersuchung der Einkommens- und Arbeitsmarktperspektiven von Fachkräften mit Fortbildungsabschluss im Vergleich zu Akademikern“, welche die DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung-mbH in Auftrag gegeben hat. Dafür sind die Karriereperspektiven von Absolventen einer beruflichen Aufstiegsfortbildung untersucht worden. Also von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, welche sich entschieden hatten, nach ihrer beruflichen Ausbildung eine Weiterbildung beispielsweise zum Meister oder Fachwirt zu absolvieren.

Aus den teilweise erstaunlichen Ergebnissen der Studie sind einige besonders hervorzuheben.

  • So seien es Fortbildungsabsolventen und nicht Akademiker, denen häufiger Führungsverantwortung übertragen werde. 80 Prozent der Fortbildungsabsolventen hätten eine fachliche Weisungsbefugnis (Akademiker: 69 Prozent), 47 Prozent seien sogar als direkter Vorgesetzter tätig (Akademiker: 39 Prozent).
  • Fast zwei Drittel aller Unternehmen würden die Karrieremöglichkeiten von Fortbildungsabsolventen im Vergleich zu Hochschulabsolventen als mindestens gleichwertig bewerten, knapp jedes sechste Unternehmen sogar als höherwertig.
  • In einem von fünf Unternehmen würden Fortbildungsabsolventen ein höheres Gehalt als Hochschulabsolventen erzielen, in mehr als der Hälfte der Unternehmen sei es mindestens gleich hoch. Dies zeige, dass längst nicht alle Universitäts- oder Fachhochschulabgänger automatisch mehr verdienen als Meister, Techniker oder Fachwirte.
  • Allerdings hingen die beruflichen Karriereperspektiven nicht allein von objektiv messbaren Kriterien wie Gehalt und Führungsverantwortung ab, sondern auch von dem persönlichen Wohlbefinden, besonders im Hinblick auf die Angst vor einem Jobverlust. Aber auch in diesem Punkte stünden Fortbildungsabsolventen den Akademikern in nichts nach, sondern lägen in ihrer persönlichen Einschätzung vielfach sogar vor ihnen.

Diese Aussagen decken sich auch mit den Ergebnissen einer Befragung, die das DAA-Technikum im Jahr 2015 unter den Absolventen der berufsbegleitenden Lehrgänge zum Staatlich geprüften Techniker durchgeführt hat. 80 Prozent der Befragten gaben zum Beispiel dabei an, dass sie bereits während der Fortbildung einen beruflichen Aufstieg realisieren konnten oder kurz nach dem Abschluss erwarten würden.

Im Mittelpunkt des Bildungsangebotes des DAA-Technikums steht die berufsbegleitende Fortbildung zum Staatlich geprüften Techniker in den Fachrichtungen Maschinenbautechnik, Elektrotechnik, Bautechnik, Holztechnik sowie Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik an bundesweit über 50 Studienzentren und mit derzeit mehr als 9000 Teilnehmern.


Erstellt von Andreas Nierhaus