In diesem Jahr fand am 24. März zum 8. Mal der bundesweite Deutsche Weiterbildungstag 2021 statt. Unter dem Motto „Krisen meistern. Know-how sichern. Weiterbilden.“ erfuhr die diesjährige Veranstaltung durch die gemeinsame Schirmherrschaft von Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung (BMBF) und Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales (BMAS) erneut prominente Unterstützung. Vor dem Hintergrund, dass beide Ministerien federführend bei der Entwicklung der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) zusammenarbeiten, erhielt die berufliche Weiterbildung auch diesem Jahr politischen Rückenwind.

Aufgrund der aktuellen Corona-Bedingungen fand der zentrale Auftakt zu den Aktionstagen als Online-Event statt und wurde darüber hinaus auf YouTube und Facebook ausgestrahlt. Am Online-Event haben knapp 200 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet teilgenommen.

Angela Geiling (Bfz-Essen GmbH) und Werner Sondermann (Deutscher Weiterbildungstag e.V.) führten die interessierten Teilnehmer*innen durch den Abend. Anhand von drei Blitzlichtern schilderten zunächst ausgewählte Akteur*innen aus der Weiterbildungsbranche ihre Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie und verdeutlichten exemplarisch die damit einhergehenden Veränderungen ihres Arbeitsalltages.

Im Anschluss äußerten sich Hubertus Heil und Anja Karliczek zu den Herausforderungen der Weiterbildung im Zuge der Corona-Pandemie. Einigkeit bestand darin, dass die Pandemie die Transformation der Arbeitswelt akut beschleunige. Der Weiterbildung komme daher eine Schlüsselrolle in sozialer und ökonomischer Hinsicht zu. In Deutschland gebe es zwar bereits wichtige neue Instrumente zur Förderung der Weiterbildungsbeteiligung wie das Qualifizierungschancengesetz oder das Arbeit-von-morgen-Gesetz, aber das gemeinsame Engagement von Weiterbildungsträgern und Unternehmen müsse weiter ausgebaut werden.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Ehrenpreises „Vorbilder der Weiterbildung“. Unter dem Thema der Fachkräftesicherung durch (Weiter)Bildung wurde anhand von drei Rubriken – Lernende, Lehrende, Unterstützer – jeweils eine Person für ihre besondere persönliche Bildungsbiographie geehrt. Zudem erhielt Ulrich Aengenvoort den Sonderpreis „Lebenswerk“ für sein langjähriges Engagement als Geschäftsführer des Deutschen Volkshochschul-Verbands e.V. (DVV) zur Stärkung der Weiterbildung als „vierte Säule des Bildungssystems“.

Ein weiteres Highlight war die von Siegfried Schmauder moderierte Roundtable-Diskussion. Unter dem diesjährigen Motto diskutierten Ruth Werhahn (TÜV Rheinland AG), Prof. Dr. Enzo Weber (IAB Nürnberg) und Dr. Rainald Manthe (Zentrum Liberale Moderne) u.a. die Themen Weiterbildung in der Pandemie, Strukturwandel am Arbeitsmarkt sowie nachhaltige Stärkung von Weiterbildung. Einhellig wurde auch hier der spätestens durch die Pandemie offensichtlich gewordene Bedeutungszuwachs der Weiterbildung bekundet. Die Corona-Krise verursache einen Strukturwandel-Schub in der Arbeitswelt. Gerade aus diesem Grund, so die Diagnose von Professor Weber, müsse diese Situation verstärkt für Weiterbildung genutzt werden. Erhebungen zeigten aber, dass die Potenziale bisher noch nicht annähernd ausgeschöpft seien. Daher, so die Forderung, bedürfe es auch für die Zukunft ein mit stärkeren finanziellen Anreizen versehenes Weiterbildungskonzept, das sich in ungeplanten Krisensituationen wie dieser für Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen bewähre. Er äußerte zudem die Auffassung, dass der digitale Strukturwandel sich vermutlich nicht als großflächiger Jobvernichter erweisen werde und die meisten Anpassungen innerhalb bestehender Berufsbilder erfolgen sollten, ohne dass die Berufe selbst obsolet werden. Stellenweise werde es aber auch harte Brüche innerhalb bestimmter Berufsbereiche geben; um derartige Entwicklungen abzufedern, müsse ein Recht auf BAföG für eine Zweitausbildung gesetzlich verankert werden.

Die Veranstaltung hat somit die große gesellschaftliche Bedeutung der Weiterbildung in vielfacher Hinsicht vor Augen geführt, und selbst konkrete Anregungen geliefert, welche Schwerpunkte zu ihrem nachhaltigen Ausbau kurz- und mittelfristig vorgenommen werden könnten.


Erstellt von Dan-Esra Gloe