IAB: Betriebsbefragungen zur Covid-19-Krise

An dieser Stelle wurde bereits darauf verwiesen, dass sich gemäß dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Zahl der im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes geförderten Beschäftigten zwischen 2016 und 2019 verdoppelt hat. Doch bisher gab es laut IAB kaum Daten über die Bekanntheit der Weiterbildungsförderung der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei Betrieben. Die IAB-Betriebsbefragungen zur Covid-19-Krise zeigen nun, dass u.a. mit zunehmender Betriebsgröße sowie vorausgegangener Weiterbildungsberatung durch die BA die Bekanntheit und Nutzung öffentlich geförderter Weiterbildung steigen. Dennoch ist das betriebliche Weiterbildungsengagement nach wie vor ausbaufähig: Nicht einmal jeder zehnte Betrieb hat bereits eine Weiterbildungsförderung der BA in Anspruch genommen. Laut den befragten Arbeitgebern liegen die wesentlichen Gründe hierfür jedoch nicht in einem Mangel an Wissen über die Fördermöglichkeiten, sondern im Fehlen passender Angebote, einem hohen Beantragungsaufwand sowie einem ausbleibenden Interesse der Beschäftigten.

I.M.U.: Qualifizierung im digitalen Wandel

In der aktuellen Ausgabe der Publikationsreihe „Mitbestimmungspraxis“ des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) werden vier Betriebe porträtiert, die im Zusammenhang mit digitalen Transformationsprozessen umfassende Qualifizierungsprojekte initiiert haben. Exemplarisch werden die jeweiligen Verfahren zur Qualifizierungsbedarfsermittlung und die Möglichkeiten zur Einbindung sowie Mitbestimmung der Beschäftigten im Rahmen der Projekte vorgestellt. Es wird deutlich, dass betriebliche Digitalisierungsprozesse nur dann erfolgreich implementiert werden können, wenn sie an umfassende Möglichkeiten zur Beteiligung und Qualifizierung der Beschäftigten gekoppelt sind. In diesem Prozess kommt Betriebsräten die wichtige Aufgabe zu, unterstützend als Initiatoren von Weiterbildungsstrategien aufzutreten (Information, Beratung, Vorschlags- und Mitbestimmungsrechte bei der Ein- und Durchführung).

WSI: Betriebliche Weiterbildung als Handlungsfeld der Betriebsräte

Der Policy Brief des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) untersucht die Rolle von Betriebsräten bei der Mitbestimmung und Gestaltung von betrieblicher Weiterbildung. Die Studie gibt Aufschluss über die im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) verankerten Handlungsmöglichkeiten und liefert einen empirischen Blick auf die Beteiligung von Betriebsräten an Weiterbildungsprozessen. Auf Grundlage der WSI-Betriebsrätebefragung 2018 zeigt sich, dass diesbezüglich – über sämtliche Branchen und Betriebsgrößen hinweg – bereits eine hohe Sensibilität bei den Betriebsräten für das Thema betriebliche Weiterbildung zu verzeichnen ist. Dennoch besteht in der Praxis Entwicklungspotential, u.a. in Hinblick die Weiterbildungsbeteiligung benachteiligter Beschäftigtengruppen. Auch wenn es sicher nicht einfach ist, dies im Tagesgeschäft zu gewährleisten: Um die Gestaltungsmacht in Fragen betrieblicher Weiterbildung auszubauen, kommen Betriebsräte nicht umhin, ihre Rolle als Mediatoren und Gesprächspartner verstärkt wahrzunehmen.


Erstellt von Dan-Esra Gloe