Die Zahl der arbeitslosen Personen habe im Juli aus jahreszeitlichen Gründen zwar zugenommen, saisonbereinigt sei aber sogar ein Rückgang zu verzeichnen gewesen und im Vergleich zum Vorjahr habe es 143.000 Erwerbslose weniger gegeben, erläuterte Scheele.

Die Vorsitzende des Verwaltungsrats der BA und DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach stellt dazu fest:

Trotz der Sommerflaute auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch. Doch an denjenigen, die auf Hartz IV angewiesen sind, geht der Aufschwung vorbei. In der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik.

Jetzt räche es sich, dass die Mittel für Eingliederung und Weiterbildung drastisch gekürzt worden seien, führt Buntenbach weiter aus. In der Grundsicherung würden sich derzeit zwei Drittel aller Arbeitslosen befinden, aber nur 40 Prozent der geförderten Maßnahmen richteten sich an diese Zielgruppe. Der Eingliederungstitel in der Grundsicherung müsse mindestens um eine Milliarde Euro aufgestockt werden.

Die beiden Journalisten Lea Hampel und Thomas Öchsner gehen in einem lesenswerten Artikel, der am vergangenen Freitag auf Süddeutsche.de veröffentlicht worden ist, der Frage nach, wie diese Mittel in der öffentlich geförderten Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden und ob dies dazu beitrage, die Langzeitarbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Obwohl die Zahl der Arbeitssuchenden nahezu immer noch kontinuierlich sinkt und den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht hat, sind derzeit dennoch ca. 900.000 Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit. Dazu muss eine sechsstellige Anzahl von Arbeitssuchenden gezählt werden, die gar nicht in der Statistik der BA auftaucht, da sie gerade eine Fördermaßnahme durchlaufen.

An diesen Werten habe sich im Grunde seit Jahren nichts geändert und dies finde seine Ursache nicht zuletzt darin, dass die Jobcenter zu viele Arbeitslose ausschließlich in kurzfristige Maßnahmen stecken würden, die ihre Arbeitsmarktchancen überhaupt nicht verbessern, meint Stefan Sell, Professor für Sozialpolitik an der Hochschule Koblenz. Dabei würden auch die Vorkenntnisse und Kompetenzen, welche die Arbeitssuchenden bereits mitbringen, oft viel zu wenig berücksichtigt.

Im Gegensatz dazu lohne es sich, in langfristige Weiterbildungskurse zu investieren, die am besten in einem Betrieb stattfinden oder einen beruflichen Abschluss anstreben. Diese Förderungen steigerten die Jobaussichten der Arbeitssuchenden nachweislich in jedem Falle, so Professor Sell.

Diese Ansicht vertritt bereits seit Jahren auch der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V. gegenüber den politischen Verantwortungsträgern und der Bundesagentur. Für die aktuelle Ausgabe des BBB Info-Briefes hat die Redaktion daher die im Bundestag vertretenen Parteien, die Sozialpartner, Verbände und Experten gebeten, im Hinblick auf die Bundestagswahl im September dieses Jahres ihre Ziele und Verbesserungsvorschläge für die Weiterbildung und aktive Arbeitsmarktpolitik zu formulieren.

 


Erstellt von Andreas Nierhaus