Von Dr. Ronald Deckert, Hamburger Fern-Hochschule

Industrie 4.0

Um sich den hiermit verbundenen Entwicklun­gen mit Blick auf die Auswirkungen für das eigene Leben zu nähern, kann es nicht schaden, sich im ersten Schritt einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Überblick und Durchblick erlangt man, indem man zu Grunde liegende Prinzipien erkennt. Der The­men­bereich Industrie 4.0 lässt sich in einen Gesamtzusammenhang einordnen, der durch Begriffe wie Vernetzung und Verbindung zu charakterisieren ist. Dabei steht beispielsweise das Internet der Dinge (Englisch: Internet of Things/IoT) als plakativer Begriff für eine Entwicklung, die mit der Er­fassung von „Dingen“ – also unbelebter Materie – mittels vernetzend eingesetzter bzw. wirkender Informationstechnologie, wie dem world wide web, ein­hergeht. Ohne Vernetzung wären bereits in Anwendung befindliche Konzepte wie Car Sharing oder Bike Sharing nicht möglich, wobei es mit dem IoT nicht nur um Standorte von Dingen gehen muss, sondern auch um weitere Informationen wie um den Zustand von Dingen. Wie sich beim Deutschlandfunk im Dezember 2015 nachlesen lässt, (http://www.deutschlandfunk.de/internet-der-dinge-gefahren-und-chancen-der-digitalisierten.724.de.html?dram%3Aarticle_id=340945&utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter) könnte das erste Ding im Internet der Dinge ein Cola-Automat im Jahr 1982 an der Carnegie Mellon University in Pennsylvania gewesen sein, der Informationen über Getränkevorrat und -kühlung zur Verfügung stellen sollte.  Vielleicht werden zu einem Zeitpunkt beispielsweise alle Kühlschränke hier­zu in der Lage sein, und – als gern angeführtes Beispiel – Nahrungsmittelbestellungen auslösen. Es zeichnet sich bereits heute ab, dass sich Mensch und Technik, reale und virtuelle Welt verstärkt verbinden wie auch folgende Beispiele zeigen:  „Holoportation“ von Microsoft Research (https://www.youtube.com/watch?v=7d59O6cfaM0), Verbundforschungsprojekt „Pflegebrille“ unter Mitwirkung der Hamburger Fern-Hochschule (https://www.hamburger-fh.de/aktuelles/presse-aktuelles/nachrichtenuebersicht/#/pressreleases/pflegebrille-forschungsprojekt-untersucht-potenzial-von-augmented-reality-brillen-in-der-intensivpflege-1438754) oder „Kids interactive“ von BASF (http://basf.kids-interactive.de/).

Es ist unmittelbar einsichtig, dass Vernetzung für uns Menschen nicht folgenlos ist: „Weiß“ das Inter­net, wo mein Handy ist oder, was sich in meiner Wohnung befindet, „weiß“ es auch etwas über mich. Daher sollten wir bezüglich Vernetzung auch an die Vernetzung von uns Menschen als belebte Mate­rie denken. Die nachfolgende Abbildung verdeut­licht einige wichtige Begriffe in diesem Kontext ins­gesamt, wobei die Relevanz des Gesamtbildes für unser Leben in Begriffen wie „Qualifizierung“, „Soziale Kompetenz“,  „Transparenz“, „Datensicher­heit“ oder auch „Augmented Reality“ recht un­mittelbar zum Ausdruck kommt. Die zwei Seiten hier mit „belebter“ und „unbelebter“ Materie zu betiteln ist der Tatsache geschuldet, dass der Autor insbesondere als Diplom-Physiker ausgebildet ist.

Vernetzung der unbelebten Materie

In der Verbindung von unbelebter und belebter Materie liegt im Übrigen auch ein Lösungsansatz für eine nachhaltige Entwicklung als Reaktion auf die Folgen des Klimawandels, denn dies können wir nur gemeinsam bewerkstelligen, und Konzepte wie „Smart Cities“ ermöglichen im Idealfall auch eine effizientere Nutzung von Ressourcen. Eine nachhaltige Entwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe  – wie auch der fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarates (http://www.ipcc.ch/report/ar5/syr/ ) zeigt – und kann sich auf verschiedene Aspekte beziehen. Vor allem aber darauf, wie wir uns (fort)be­wegen, ernähren, besitzen, konsumieren sowie wieviel Energie wir verbrauchen und inwieweit wir uns für eine nachhaltigere Welt engagieren. Zu Überlegungen speziell zur Hochschulausbildung für die Arbeitswelt 4.0 lässt sich einiges unter http://www.hochschulbildungsreport2020.de/ erfahren.

Dieser Ansatz für einen Gesamtüberblick verdeutlicht, dass auch bei zunehmender Komplexität von – für Probleme und Lösungen – zu betrachtenden Zusammenhängen nicht nur Spe­zialisten, sondern auch Generalisten gefragt sind, die sich der – nicht ganz einfachen – Aufgabe wid­men, größere Aus­schnitte im Blick zu behalten. Dabei geht hinter jedem der aufgezeigten und vielen weiteren Begriffen eine ganze „Welt“ an Zusammenhängen auf, die es gilt, im Blick zu behalten.

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Interview mit Herrn Dr. Deckert


Erstellt von Dr. Ronald Deckert

4 Comments

  1. Ein Beitrag von großer Aktualität, der eine der Hauptfacetten der Thematik – Industrie 4.0 / Arbeit 4.0 – in den Mittelpunkt stellt: die Vernetzung der „belebten“ und „unbelebten“ Materie. Mensch-Maschine.
    Zu gleicher Zeit erschienen in Zeitungen und Zeitschriften vielen Artikel zu dem Thema. In der Welt (http://www.welt.de/wirtschaft/article157872907/Roboter-werden-Millionen-Jobs-vernichten.html) und in der NZZ (http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/digitale-revolution-am-arbeitsplatz-mit-den-robotern-rennen-ld.113641?reduced=true) beispielsweise widmeten sich die Autoren den Ängsten – Verlust von Arbeitsplätzen durch Automatisierung – und den Chancen – dem Entstehen neuer Industriesektoren und Berufe – der Industrie 4.0. „Den Daten zufolge müssen Taxifahrer, Kuriere, Postboten, Rezeptionisten und viele andere Menschen ohne spezielle Fachausbildung und Studium damit rechnen, dass ihr Job durch den technischen Fortschritt überflüssig wird.“ (Quelle: Welt, s. o.). Bildung 4.0 ist die Antwort und Strategie gegen alle Ängste und Befürchtungen.
    M. Czaja
    PS. Quellen des technischen Innovationen? Auch Bequemlichkeit und Sicherung der Grundbedürfnisse: Während das Internet der Dinge seinen Anfang mit einem „Cola-Automat im Jahr 1982 an der Carnegie Mellon University in Pennsylvania“ nahm, beobachtete die erste Webcam eine Kaffeemaschine in einem Rechnerlabor der britischen University of Cambridge. (https://de.wikipedia.org/wiki/Trojan-Room-Kaffeemaschine). Und nun die Einführung des Dash-Buttons auch in Deutschland… Was machen wir demnächst noch selbst???

    Antworten

    1. Hallo Herr Czaja,

      hoffen wir, dass viele neue Jobs entstehen, auf die man sich aber auch vorbereiten sollte: Bildung 4.0 eben, wie Sie sagen. Aber, erst einmal
      müssen viele wohl noch „verdauen“, dass prognostizierte 65% der Kinder,
      die heute in die Grundschule kommen, später einen Job haben werden, den
      es heute noch gar nicht gibt (vgl. Seite 6 hier: http://www3.weforum.org/docs/WEF_New_Vision_for_Education.pdf, worin der WEF die dort benannte
      Studie hierzu aufgreift).

      Beste Grüße
      Ronald Deckert

      Antworten

  2. Dr. Maren Metz 6. Dezember 2016 at 17:39

    Der Diskurs zur Wirkung der Technisierung auf unseren Alltag, auf unsere Psyche und unsere Persönlichkeit wird schon länger geführt.Leonhard Hennen hat sich 1992 in seinem Buch „Technisierung des Alltags“ mit dieser zunehmenden Technisierung der Gesellschaft beschäftigt und auch erste psychische Auswirkungen benannt. Uwe Flick(1996)äußert sich ähnlich kritisch zu dem Thema, um nur zwei Autoren zu nennen. Unter dem Strich geht es aus psychologischer Perspektive um zwei Punkte. Einmal um das Realisieren, das Integrieren und die Nutzung von Technik. Dabei werden typische (psychische)Phasen durchlaufen (beispielsweise ganz gut erklärt auf http://www.change-leadership.org/2015/04/03/die-7-phasen-der-ver%C3%A4nderung/). Und zweites geht es um die psychische Bewältigung einer zunehmend komplexer werdenden Welt, die kaum noch nachvollziehbar bzw. verstehbar und damit kontrollierbar ist.
    Die innerpsychischen Herausforderung sind dabei nicht die kurzfristigen Beanspruchungen und der Umgang mit den technischen Komplexitäten, sondern der langfristige Umgang damit. Dieser provoziert, dass der Mensch in einem Dauer-Stress-Zustand ist, der zu psychischen Überforderung, zur körperlichen Erkrankung oder zum Auslösen von psychischen Erkrankungen führen kann.

    Die Technisierung und deren Nutzung gehören zum Wandel, aber gleichzeitig gehtes u.a. auch darum, dass sich die Wahrnehmung von Wirklichkeiten verändert und damit auch die Wahrnehmung des eigenen Selbst, die Positionierung und das eigene Handeln. Es müsste daher eine gleichzeitige Entwicklung und Anpassung des Menschen an diese digitalisierte Umwelt geben.

    Antworten

    1. Hallo Maren,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Bezogen auf das eigene Selbst finden sich hier

      http://www.aupress.ca/books/120233/ebook/99Z_Zawacki-Richter_Anderson_2014-Online_Distance_Education.pdf

      auf Seite 383 folgende Worte von Sherry Turkle zitiert:

      „I once described the computer as a second self, a mirror of mind. Now the metaphor no longer goes far enough. Our new devices provide space for the emergence of a new state of the self, itself, split between the screen and the physical real, wired into existence through technology.“

      Könnte etwas dran sein, denke ich.

      Beste Grüße
      Ronald

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