Immer häufiger und immer deutlicher wird seit geraumer Zeit und von den verschiedensten Akteuren darauf hingewiesen, dass aufgrund eines demographisch bedingten Rückgangs des Anteils junger Menschen an der Gesamtbevölkerung und einem sich parallel dazu ausbreitenden „Akademisierungswahnes“, in den kommenden Jahrzehnten mit einem besorgniserregend sinkenden Anteil beruflich aus- und fortgebildeter Fachkräfte in Deutschland gerechnet werden müsse.

Andererseits würden auf allen Ebenen des Beschäftigungssystems die Anforderungen an die personalen und fachlichen Kompetenzen der Beschäftigten immer weiter zunehmen.

Von den gleichen Akteuren wird daher seit ebenso langer Zeit eine Steigerung der Attraktivität beruflicher Ausbildungs- und Fortbildungsabschlüsse gefordert, damit der Anteil hochqualifizierter Fachkräfte weiter anwachsen könne.

Dabei habe man sich allerdings hierzulande bislang vor allem auf die Öffnung des Zuganges zum Hochschulstudium für beruflich Qualifizierte konzentriert, stellt die „Initiative für Gleichstellung und Attraktivität beruflicher Bildung“ in einem Papier fest, welches vor dem Jahreswechsel veröffentlicht worden ist.

Im Zuge der Einordnung der Abschlüsse beruflicher Aufstiegsfortbildung in den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) seien nach jahrelangem und zähem Ringen zwischen Bund, Ländern, Hochschulen und den Sozialpartnern zwar deutliche Fortschritte erzielt worden, indem diese der Qualifikationsstufe 6 zugeordnet worden seien, also dem gleichem Niveau wie die hochschulischen Bachelorabschlüsse. Die Fortbildungsabschlüsse „IT-Professional“, „Berufspädagoge/Berufspädagogin“, „Technischer Betriebswirt/Betriebswirtin“ und „Betriebswirt/Betriebswirtin nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung“ wurden sogar auf der Qualifikationsstufe 7 zusammen mit dem hochschulischen Masterabschluss eingeordnet. Damit sei auch erstmals von den wesentlichen Akteuren des deutschen Bildungswesens formal klargestellt worden dass die mit den Bildungsabschlüssen dokumentierten fachlichen und personalen Kompetenzen und die damit erreichte berufliche Handlungskompetenz gleichwertig (nicht gleichartig!) seien.

Dies reiche allerdings nicht aus, die Attraktivität beruflicher Bildungsabschlüsse deutlich zu steigern, solange diese nicht auch im Hinblick auf Einkommens- und Aufstiegsmöglichkeiten akademischen Bildungsabschlüssen gleichgestellt würden – und genau dies hätten die verantwortlichen Akteure bislang erfolgreich vermieden.

Initiative fordert einen radikalen Perspektivwechsel

Daher haben sich in der „Initiative für die Gleichstellung und Attraktivität der beruflichen Bildung“ unter der Federführung von Veronika Pahl, Ministerialdirektorin a.D., ehem. Leiterin der Abteilung „Ausbildung; Bildungsreform“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung, erfahrene Bildungspolitiker – u. a. drei ehemalige Präsidenten des Bundesinstitutes für Berufsbildung – zusammengefunden und plädieren in ihrem Appel für einen „radikalen Perspektivwechsel in der Diskussion um die Verwirklichung tatsächlicher Gleichstellung beruflicher und akademischer Bildung: weg von der Fixierung auf den Hochschulzugang, hin zur Gleichbehandlung bei Berufs-, Aufstiegs- und Einkommenschancen.“

Die Initiative fordert von den Regierungschefs von Bund und Ländern, unter Beteiligung der Sozialpartner eine Reform zur Steigerung der Attraktivität beruflicher Bildung einzuleiten und die dafür notwendigen Vereinbarungen zu treffen. Dazu solle zeitnah eine Kommission eingesetzt werden, die sich aus hochrangigen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Bund, Ländern, Sozialpartnern und internationalen Wissenschaftlern zusammensetzt und von dem bereits bestehenden Arbeitskreis DQR dabei unterstützt werden soll, die gesteckten Ziele so rasch wie möglich zu erreichen.

Der Geschäftsführende Vorstand der DAA-Stiftung Bildung und Beruf, Rudolf Helfrich, begrüßt diese Initiative: Die DAA-Stiftung engagiert sich mit ihrer Arbeit, und nicht zuletzt auch als Mitglied des Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V., für ein zertifiziertes und dokumentiertes hohes Qualitätsniveau beruflicher Aufstiegsfortbildung. Daher stehen wir natürlich voll und ganz hinter den Forderungen der Initiative und setzen uns darüber hinaus bereits seit Jahren für ein Bundes-Weiterbildungsgesetz ein, in dem die Gleichstellung beruflicher und akademischer Fortbildungsabschlüsse verankert werden sollte.“

Andreas Nierhaus


Erstellt von Andreas Nierhaus