Anlässlich der Übernahme der Präsidentschaft im Bundesrat stellte Dr. Eisenmann fest,

Das zentrale Thema für das Präsidentschaftsjahr 2017 ist die berufliche Bildung, die mit ihren vielfältigen Karriereperspektiven auf unterschiedlichen Qualifikationsniveaus wieder viel stärker als aussichtsreiche Bildungsoption in den Blick genommen werden muss.

Neben der Bildungslaufbahn Gymnasium – Abitur – Studium, die ihrer Ansicht nach in vielen Köpfen immer noch als einzig wahrer Karriereweg angesehen würde, gäbe es eine gleichwertige, qualitativ ebenso hochwertige Alternative, und das sei die berufliche Bildung, die sowohl in Deutschland als auch international ein hohes Ansehen erreiche. Dies werde durch eine vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit und die anerkannt hohe Kompetenz beruflich qualifizierter Menschen in Deutschland belegt.

Damit bilde die berufliche Bildung die Grundlage unserer Wirtschaftskraft und Dienstleistungsstärke und leiste einen beträchtlichen Beitrag zur Stabilität unserer Sozial- und Wirtschaftsstruktur.

Weiter sagte die neue KMK-Präsidentin:

Mit dem Schwerpunktthema möchte ich einen Diskurs über die Zukunft der beruflichen Bildung anregen. Gemeinsame Aufgabe von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist es, die Leistungsfähigkeit und Qualität der beruflichen Bildung angesichts demografischer und technologischer Herausforderungen zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Zu den Herausforderungen, denen sich die berufliche Bildung zu stellen habe und die die Länder möglichst gemeinsam angehen sollten, zähle sie die Integration zugewanderter junger Menschen, die fortschreitende Digitalisierung, der Einzug intelligent vernetzter Fertigungs- und Produktionstechniken (Stichwort: Industrie 4.0) sowie der anhaltende Trend zur Akademisierung, der weitere Anstrengungen erfordere, um die duale Berufsausbildung als attraktive und zukunftsfähige Alternative zum Studium im Blick auch der leistungsstärkeren jungen Erwachsenen zu erhalten.

Hierbei identifiziere sie vor allem die Schnittstellen unseres Bildungswesens als vorrangige Handlungsfelder. Die Übergänge, Ab- und Anschlüsse müssten genauer in den Blick genommen werden und die berufliche Orientierung an den Schulen verbessert werden, um jeden einzelnen jungen Menschen zu erreichen und ihn bestmöglich auf dem Weg in das Arbeitsleben zu begleiten. Trotz vieler Anstrengungen der Länder in den zurückliegenden Jahren sei der direkte Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung für manche Jugendlichen immer noch mit großen Schwierigkeiten verbunden.

Auch das Thema „Bildungsgerechtigkeit“ bleibe eine zentrale Herausforderung. Obwohl der nationale Bildungsbericht 2016 zwar bestätigt habe, dass sich die Bildungsbeteiligung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund angenähert habe und auch der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die ohne einen Hauptschulabschluss die Schule verlassen hätten, deutlich gesunken sei, bleibe eine dringende Aufgabe, soziale Ungleichheiten zu verringern.

Die Integration von Geflüchteten und neu Zugewanderten werde überdies in diesem Jahr eines der bestimmenden Themenfelder für die berufliche Bildung darstellen.

Die große Stärke und der Erfolg der beruflichen Bildung in Deutschland war und ist ihre gesellschaftliche Integrationskraft.


Erstellt von Andreas Nierhaus