Erst im Juni 2016 konnte damit begonnen werden, die Geflüchteten aus den acht Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien statistisch umfangreich zu erfassen. Auf die seitdem gesammelten Daten greifen mehrere aktuellere Studien des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurück  (http://doku.iab.de/forschungsbericht/2016/fb1416.pdf und http://doku.iab.de/forschungsbericht/2017/fb0517.pdf), die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der neuesten Ausgabe seiner Informationssammlung „arbeitsmarkt aktuell“ zusammenfassend darstellt, bewertet und zum Anlass für Verbesserungsvorschläge nimmt.

Etwa 500.000 Geflüchtete im erwerbsfähigen Alter haben demnach einen Aufenthaltstitel und Anspruch auf Grundsicherung nach SGB II. Das Recht auf Grundsicherung erhalten nur Geflüchtete mit Aufenthaltstitel, Geduldete haben hierauf keinen Anspruch. Von diesen Geflüchteten sei zurzeit ein größerer Teil in Maßnahmen wie Sprachkursen, Integrationskursen oder Berufsvorbereitungskursen, ein anderer Teil sei krank und stehe daher dem Arbeitsmarkt aktuell nicht zur Verfügung. Insgesamt seien 179.000 Geflüchtete zurzeit arbeitslos gemeldet und 138.000  hätten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden, hierzu würden allerdings auch Migrantinnen und Migranten gerechnet, welche bereits schon länger in Deutschland lebten. Seit März 2016 hätten 37.500 der Geflüchteten eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt gefunden – 30.900 davon in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.

Die übrigen 6.900 hätten den Einstig in den Arbeitsmarkt über den Leiharbeitsbereich erreicht. Dies beinhalte allerdings auch die Gefahr, dass diese Arbeitnehmer nicht mehr aus einer prekären Beschäftigung herauskommen und somit die Chancen für Aus- und Weiterbildungen verpassen würden.. Das Argument „lieber prekäre Beschäftigung als keine Arbeit“ sei bereits in Zeiten hoher Arbeitslosenzahlen benutzt worden, um schlechte Arbeit zu rechtfertigen. Dieses Argument sei schon damals falsch gewesen und sei es heute – auch mit Blick auf geflüchtete Menschen – immer noch. Ohne Zweifel bilden Geflüchtete ein wichtiges Potential für den Arbeitsmarkt – gerade in Zeiten beginnenden Fachkräftemangels und unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung. Dies trifft aber nur dann zu, wenn hierbei in die Aus- und Weiterbildung investiert wird. Der überwiegende Teil der arbeitssuchenden Geflüchteten sei laut der Studien des IAB männlich, jung und mit geringen Qualifikationen ausgestattet. Prekäre oder atypische Arbeit könne für sie eventuell ein Einstieg sein, aber nur, wenn dieser Einstieg auch durch Aus- bzw. Weiterbildung und entsprechende Beratung begleitet würde. Ziel des DGB sei es, Geflüchtete genauso wie die heimischen Beschäftigten vor prekärer Beschäftigung zu beschützen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nehmen 83.600 Geflüchtete an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik der Bundesagentur für Arbeit (BA) teil. Im Vergleich mit der notwendigerweise zu erreichenden Zielgröße noch eine relativ kleine Gruppe! Dies bedeute auch, dass ein Großteil der zur Verfügung gestellten Mittel nicht abgerufen werde. Die Gründe hierfür seien unterschiedlich – die Maßnahmen seien noch nicht ausreichend bekannt, sie gingen häufig an den Bedürfnissen der Geflüchteten vorbei oder es fehle die Flexibilität zwischen den einzelnen Modulen. Vor allem gelte es, den Bekanntheitsgrad der Programme zu Sprachförderung, Orientierung in der Arbeitswelt, Kompetenzfeststellung und Praxis zu steigern, damit diese von Geflüchteten und den Betrieben besser genutzt würden.

Ein anderes Problem besteht darin, dass immer weniger Geflüchtete direkt anerkannt werden und lediglich den Status der Duldung bekommen. Dies verhindert, dass Betriebe Geflüchtete überhaupt einstellen oder ausbilden, da nicht klar ist, wann diese das Land eventuell wieder verlassen müssen. Daher fordert der DGB die Herstellung von Rechtssicherheit und setzt sich dafür ein, dass Integration Vorrang vor Abschiebung habe. Wer sich gut in der deutschen Arbeitswelt eingelebt habe, habe auch gute Perspektiven am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im Hinblick auf eine Integration in die Gesellschaft sollte dies wichtiger sein als der Aufenthaltsstatus.

IAB-Forschungsbericht 5/2017 „Beratung und Vermittlung von Flüchtlingen“

IAB-Forschungsbericht 14/2016 „IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten: Überblick und erste Ergebnisse“

DGB arbeitsmarkt aktuell 04/August 2017 „Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt“

 


Erstellt von Andreas Nierhaus