Die Befragung sowohl der ca. fünfhundert SGB-II-Leistungsberechtigten aus den acht zugangsstärksten nichteuropäischen Asylherkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien) als auch der Vergleichsgruppe, bestehend aus ebenso vielen anderen Neuzugängen in die Grundsicherung, hat im Jahre 2016 stattgefunden. In diesem Jahr hat sich die Zahl der Geflüchteten aus den genannten Ländern, die einen Anspruch auf Grundsicherungsleistungen haben, von etwa 320.000 im Januar auf rund 650.000 im November mehr als verdoppelt. Dabei stammte zu diesem Zeitpunkt der überwiegende Anteil (achtzig Prozent) aus Syrien oder dem Irak. Der Anteil der Geflüchteten aus den acht aufgeführten Ländern an der Gesamtheit der SGB-II-Leistungsbeziehenden im Mai 2017 betrug etwa vierzehn Prozent.

Ein Vergleich der Ergebnisse, die das IAB in einem aktuellen Kurzbericht jetzt veröffentlicht hat, zeigt deutlich, dass sich die Geflüchteten von anderen Neuzugängen in den SGB-II-Leistungsbezug deutlich unterscheiden. Unter ihnen befinden sich häufiger jüngere und männliche Personen, und – im Unterschied zu den Befragten der Vergleichsgruppe – steht bei ihnen eine große Anzahl von niedrig Gebildeten einem großen Anteil an Personen mit einem hohen schulischen Bildungsabschluss gegenüber.

Der große Anteil mit hoher Schulbildung (51 Prozent mit (Fach-)Hochschulreife) und einem eher guten Gesundheitszustand, lassen in der Gruppe der Geflüchteten auf Potenziale für eine zukünftig erfolgreiche Integration in den deutschen Arbeitsmarkt schließen.  Aber auch deswegen, so fanden Dr. Claudia Wenzig, Dr. Sebastian Bähr und Jonas Beste vom „Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ im IAB heraus, da unter den Geflüchteten – insbesondere bei den Männern – eine hohe Motivation erkennbar sei, eine Arbeit zu suchen, selbst wenn dies von den Jobcentern noch nicht gefordert werde.

Frauen weisen ein mit den Männern vergleichbares Bildungsniveau auf und lassen ein ebenso hohes Aktivierungspotenzial erkennen. Sie bleiben nur häufiger zugunsten von familiären Betreuungsarbeiten inaktiv.

Demgegenüber stehen als zentrale Arbeitsmarkthemmnisse der Geflüchteten deutlich die sprachlichen Defizite und fehlende berufliche Bildungsabschlüsse einer schnellen Integration in den Arbeitsmarkt entgegen. darüber hinaus sei eine höhere Anhäufung von Hemmnissen zu beobachten.

Bei den vorhandenen Vermittlungsangeboten steht daher vor allem der Abbau der Sprachdefizite an erster Stelle. Da der Erwerb von Sprachkenntnissen Zeit in Anspruch nehme, werde dies auch auf lange Sicht ein zentraler Bestandteil der Betreuungs- und Vermittlungsleistungen bleiben. Bemerkenswert sei es, dass die SGB-II-Neuzugänge in der Geflüchteten-Stichprobe die Beratung und Betreuung durch die Jobcenter als sehr positiv wahrnehmen würden. Dies zeuge von einer generellen Kooperationsbereitschaft, welche als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration gesehen werde.

Einen ausführlichen Bericht und die weiteren Ergebnisse finden Sie hier.


Erstellt von Andreas Nierhaus